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Ramija

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Vorname: Cynthia

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1

15.07.2008, 03:48

BDSM. Verständnis und Unverständnis

Da ich in der letzten Zeit öfter Gefragt wurde was BDSM eigentlich ist und ob es Spass macht / warum überhaupt dachte ich mir ich poste hier mal einen Text den ich vor ewigkeiten verfasst habe. Eigentlich ist das File viel größer, aber da wir auch Jugendliche Gildies haben belasse ich es bei diesem kurzen Auszug um mal die Grundsätze klarzulegen ;)



1. BDSM - was ist das eigentlich?

BDSM kommt aus dem Englischen und steht für Bondage & Discipline, Dominance & Submission and SadoMasochism und soll zeigen, dass es bei SM um viel mehr als nur Schmerz geht. Sadomasochistische Aktionen sind erotische Machtspiele, geprägt durch eine klare Rollenverteilung zwischen aktivem und passivem Part. Für diese Rollen findet man oftmals die Bezeichnung Top und Bottom. Im Ds-Bereich, in dem es um Macht und Unterwerfung geht, spricht man dann von Dom/Domme und Sub (kurz für Submissive), wo hingegen im SM-Kontext von Sadisten und Masochisten die Rede ist.
Dass diese Begriffe dem Englischen entliehen sind, liegt daran, dass die amerikanische SM-Szene eine etwas längere Tradition hat und diese Begriffe von dort über das Internet in unsere Kultur gelangt sind. Die Begriffe 'Sadist' und 'Masochist' sind nicht unumstritten, stehen sie nach DSM-IV für psychisch kranke Menschen - im Gegensatz zu Sadomasochisten, die lediglich vom gesellschaftlichen Durchschnitt abweichende sexuelle Präferenzen haben.
Die Maßstäbe, was gesellschaftlich 'normal' ist, ändern sich mit der Zeit. In der Fachliteratur vergangener Jahrzehnte findet man z.B. Oralsex noch als Perversion, später nur noch als Devianz und heute machen das 'Vanillas'.
(Der Ausdruck 'Vanilla' ist von der Eissorte Vanille abgeleitet, die fast alle Menschen mögen. SMler titulieren ihre 'normalen' Mitmenschen manchmal als Vanilla, was aber nicht abwertend gemeint ist.)
Ändert sich die Sicht der Gesellschaft auf Randgruppen - z.B. die Schwulen - passen sich in der Regel die Juristen in ihrer Urteilsfindung den gesellschaftlichen Normen an. Aber natürlich kann man immer an einen konservativen Richter geraten! Entscheidend für derartige Beurteilungen ist das Wissen über die Häufigkeit vermeintlich ungewöhnlicher Sexualpraktiken und das sonstige soziale Verhalten dieser Personengruppe, womit wir beim Thema Outing sind.
Wenn allgemein bekannt ist, dass Sadomasochisten ansonsten normale, unauffällige Mitmenschen sind, die niemandem schaden, wird niemand einen Anlass sehen, uns mit Repressalien zu belegen. Bei Datenschlag findet sich übrigens eine Anleitung, wie man konstruktive Leserbriefe schreibt ;-)
Als sich mal eine Polizeistreife nach der obligatorischen Begrüßung ``Hey, schicke Uniform, Jungs!'' nach der Art der Veranstaltung erkundigte und die Beamten hörten, dass es sich um eine große SM-Fete handele, meinte sie ``Na, dann müssen wir heute Abend ja sicher nicht wegen einer Schlägerei kommen.'' Sadomasochisten waren für sie schlicht friedfertige, gewaltfreie, vielleicht exotische Menschen, die mit Sicherheit keine Schwierigkeiten machen.
Dass hingegen manche Ärzte der Meinung sind, SM-Praktiken seien lebensgefährlich, mag damit zusammenhängen, dass all diejenigen, die die Sicherheitshinweise gelesen haben und mit Spaß bei der Sache sind, nicht in den Notaufnahmen auftauchen.

Frühere Ansichten über Sadomasochisten waren vielfach von Extrembeispielen geprägt, da dies die Menschen (Sexualmörder, Triebtäter, Lustmörder, ..) waren, die von Psychiatern behandelt wurden. Solchen Psychiatern haben wir auch unsere Bezeichnungen - Sadist nach Marquis de Sade und Masochist nach Sacher Masoch - zu verdanken. Zur Standartliteratur von Sadomasochisten gehören eher 'Die Geschichte der O' oder Bücher, die sich beim Charon Verlag finden.
Psychologen und Sexualforscher untersuchen erst langsam die Gruppe der Sadomasochisten während SM und Fetisch Einzug in den Mainstream zu halten scheinen. Bei allgemeinen Sexualumfragen zeigte sich, dass ca 5% der Bevölkerung Interesse an sadomasochistischen Praktiken hat und dass das Bild vom reinen Sadisten und Masochisten nicht haltbar ist. Eher hat man von einer Vorliebe an der einen oder anderen Rolle auszugehen, aber auch das Switchen, Tauschen der Rollen, ist keineswegs ungewöhnlich. Viele Paare, die Spaß an SM haben, leben ihre Beziehung völlig gleichberechtigt. Die Kompensationsvorstellung, dass der alltagsdominante Chef nach Dienstschluss als Ausgleich zur Domina geht, scheint nicht haltbar. Umgekehrt muss sich das Alltagsverhalten nicht im Spiel widerspiegeln. Auch ein zurückhaltender, ruhiger Mensch kann ein guter Top sein - es ist einzig und allein entscheidend, wie man sich in der entsprechenden Rolle fühlt und gibt. Es haben mir sogar viele Bekannte, mit denen ich mich unterhalten habe, bestätigt, dass man aus dem gespielten Machtgefälle in SM-Situationen für den Alltag lernen kann und mehr Selbstsicherheit gewinnt!
Sadomasochisten finden sich in allen Gesellschaftsschichten, viele erinnern sich an entsprechende Fantasien schon in ihrer Kindheit, andere kommen erst durch einen Lebensgefährten auf den Geschmack.

``Wir stellen die Normalität augenblicklich wieder her, sobald wir eigentlich wissen, was normal ist.''


1.1 Was macht daran Spaß?
Viele Menschen denken sofort an Schmerzen, wenn von Sadomasochismus die Rede ist. Zwar spielen Schmerzen bei einigen (nicht allen) sadomasochistisch liebenden Menschen eine Rolle, aber aus einem derart reduzierten Blickwinkel wären meditierende Leute, die Spaß daran haben, auf dem Fußboden zu sitzen und komisch zu atmen.
Im Prinzip verhält es sich beim SM nicht anders als beim Kitzeln: ``Einer wird ausgekitzelt, was ja nicht nur angenehm ist, kann sich vielleicht nicht wirklich dagegen wehren, der Kitzelnde erfreut sich am Ergebnis, am Winden des Opfers, an den quietschenden Geräuschen. Auskitzeln lässt man sich nur von engen, guten Freunden. Das Opfer hat seinen Spaß, der Täter auch, irgendwo ist alles auch erregend, und wenn der Kitzelnde merkt, dass es zu viel wird, hört er auf. Besser kann man eine Züchtigung auch nicht beschreiben.''
Es geht bei BDSM also um Macht, Kontrolle und darum, einen anderen Menschen eine Zeit lang zu beherrschen. Und je nach den Vorlieben der Spielenden kann sich diese Machtausübung in Fesselungen bis zur Unbeweglichkeit, entsprechendem rollenkonformem Verhalten dem Spielpartner gegenüber, dem Zufügen/Erdulden von Schmerzen, der Wahl besonderer, erotischer/restriktiver Kleidung oder auch dem Inbesitznehmen von Körperöffnungen des Bottoms durch Einführen von Gegenständen oder gar einem Einlauf zum Ausdruck kommen.
Manche Sadomasochisten sträuben sich gegen den Ausdruck 'Spiel', da SM eine todernste Angelegenheit ist - oder zumindest eine Lebensphilosophie, aber auf jeden Fall kein leichtfertiger Zeitvertreib. Aus meiner Sicht läuft ein Spiel nach strikten Spielregeln, auf die sich die freiwilligen Beteiligten zu Beginn einigen; hält sich einer nicht an diese Regeln, ist das Spiel vorbei. (Wer mag schon Spielverderber?) Ein Spiel dient der Freude aller Beteiligten und im Gegensatz zu einem Wettkampf gibt es weder Gewinner noch Verlierer.
Darüber hinaus bedarf SM mehr Kreativität, manchmal Vorbereitung und auf jeden Fall mehr Zeit als die schnelle Rein-Raus-Nummer in der Missionarsstellung. Was gibt es Schöneres, als langsam und lange erregt zu werden, ohne einen Einfluss darauf zu haben? Und die Erlaubnis, irgendwann 'kommen' zu dürfen, kann überwältigend sein.


1.1.1 Aus der Sicht des Bottoms
Warum gibt also jemand freiwillig die Kontrolle über sich an einen anderen Menschen ab?
Ein Grund ist, dass man mit der Kontrolle auch die Verantwortung abgibt. Und wenn man seinem Top voll vertraut, kann man sich völlig gehen lassen - häufig ist vom 'Fallenlassen' die Rede. Man kann sich völlig auf das eigene Erleben, die eigenen Gefühle konzentrieren und muss sich in dieser Situation auch nicht mehr um die Befriedigung des Partners kümmern - dafür ist er selbst verantwortlich.
Sex ohne Verantwortung - die Belohnung für die völlige Hingabe ist die völlige Entbindung von allen Pflichten.
Es kann unheimlich interessant sein, der Willkür eines anderen ausgeliefert oder Spielzeug seiner Lust zu sein. Auch Angst und Nervenkitzel kann erregend sein.
Als Bottom steht man im Mittelpunkt des Geschehens, alles dreht sich um ihn - und sei es, dass man gefesselt, hilflos, gepeinigt und erniedrigt wird. Und dabei kann sich der Bottom der vollen Aufmerksamkeit des Tops gewiss sein. Der wird auf jede Reaktion, jedes Aufbäumen, jedes Stöhnen des Bottoms achten. Der Top wird dafür Sorge tragen, dass es dem Bottom Spaß macht, es ihm richtig gut geht und ihm nichts passiert. Dieses Umsorgtwerden, gut aufgehoben sein und zu wissen, dass man aufgefangen wird, wenn man sich fallen lässt, ist einfach ein klasse Gefühl.
Und damit dem so ist, müssen die Spielpartner vorab viel klären, z.B. was die individuellen Grenzen und Tabus sind, was den Beteiligten Spaß macht, ...
Es liegt am Bottom, Dinge, die er nicht mag, von vornherein auszuschließen


1.1.2 Aus der Sicht des Tops
Ist der Top also reiner Wunscherfüllungsgehilfe - was macht dann Spaß an seiner Rolle? Wo liegt der Reiz dabei, eine Situation zu gestalten und am laufen zu halten, sich um einen anderen Menschen zu kümmern und obendrein auch noch jegliche Verantwortung für alles, was schiefgehen kann, zu tragen?
Die meisten Tops ziehen ihren Spaß am Spiel aus dem Mitfühlen mit ihrem Opfer. Sie spielen mit dessen intensiven physischen, emotionalen und sexuellen Reaktionen. Es ist ein unheimlicher Nervenkitzel, wenn dir ein anderer Mensch so sehr vertraut, dass er sich völlig ausliefert und hingibt. Eine gefesselte Frau muss nicht erregend sein, aber die Gewissheit, dass sie sich dir ausliefert, ist unheimlich geil. Was gibt es Schöneres als zu wissen, dass man Ursache für das wohlige Stöhnen ist und den Orgasmus des anderen in der Hand hat?
Manchem verschafft das Machtgefühl, einem anderen überlegen zu sein, ihn zu kontrollieren, den Kick. Es ist der Rausch der Macht, mit einem anderen tun zu können, wonach dir gerade ist. Wechselnde Fürsorge und Grausamkeit, 'Zuckerbrot und Peitsche' ist einer der schnellsten Wege, einen Bottom in den tiefsten Subspace zu führen.
Es ist die Kreativität, alles in der Hand zu haben, das Geschehen zu bestimmen, die Welt eine Zeit lang nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, was die Toprolle ausmacht. Man kann den Bottom zur Skulptur seiner Fantasie machen - es ist wie Puppenspielen mit echten Menschen.
Und SM ist ein technischer Sport. Es kann einen mit Stolz erfüllen, z.B. ein perfektes Bondage geknüpft zu haben.
Der Top trägt nicht nur die gesamte Verantwortung, sondern erntet auch den gesamten Dank für eine gelungene Session - insbesondere in den strahlenden Augen des Bottoms.
Darüber hinaus stehen einem natürlich, je nach Spielart, die sexuellen Dienstleistungen seines Bottoms zur eigenen Lustbefriedigung zur Verfügung.
Und letztendlich geht es um Sex mit dem Partner, um ein unheimlich intensives Erleben mit einem Menschen, den man liebt.
If you think not, you will blossom. Nor shall you blossom if you think.


" Das hier ist Eredar! Wir scheren uns einen Dreck um andere Server
weil wir eh die Königsklasse sind und der Rest nur Straßenrandserver. "

Sebb

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2

15.07.2008, 04:56

jetzt glaube ich bescheit zu wissen ;)

Sebb

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3

15.07.2008, 07:42

danke ramija

spannender Beitrag, gut und verständlich geschrieben.
leider nicht selber erfunden, aber gut:


Nur die Dunkelheit ist wirklich - Licht scheint nur so...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Leo[SotD]« (15.07.2008, 14:21)


Yulána

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4

15.07.2008, 12:06

Ist schon krass wenn man sonst keine Aufmerksamkeit kriegt ...
«Yulána schafft nimmer gute Laune!!!»:peitsche:

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5

15.07.2008, 12:29

Ich finds cool :) Aufklährung im Forum.
Kommt ja Dom/Dev spielen ziemlich gleich, macht echt riesig spaß wenn man mal jemanden findet. Ist zumindestens wesentlich abwechslungs- und phatasiereicher.
DON´T BLOCK THE TRESEN
BLOCK THE SYSTEM

Glückstrahlen los!

Frieden ist wenn alle gleich sind sag an was wir hier haben, das Leben das wir lieben, geschützt im Schützengraben gesucht und gefunden du vergisst was du weist indem Gefühl wir wären eins... und du vergisst wie du heist... und du vergisst was du weist vergiss Romeo und Julia wann gibts Abendbrot... willst du wirklich tauschen am Ende warn sie Tod... ich werd immer für dich da sein... bist du dabei indem Gefühl wir wären zwei..

.., daß der Mensch die Motive seines Thuns oft vor allen Anderen verbirgt, bisweilen sogar vor sich selbst, nämlich da, wo er sich scheut zu erkennen, was ihn bewegt, Dieses oder Jenes zu thun...

Wenn die klügeren nachgeben geschieht nur das was die dummen wollen

official member of Squirt Crew!

Rob

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6

15.07.2008, 15:34

deswegen trägt ramija so gerne leder


und nun gehe ich kleine kinder fressen und angst vor ramija haben

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